Bin ich als Selbständiger gewerbesteuerpflichtig?

Finanzämter tun sich bei Einstufung von selbständigen IT-Spezialisten oft schwer. Freiberufliche Tätigkeiten unterliegen keiner Gewerbeordnung. Freiberufler müssen keine Gewerbesteuer abführen, für ihre Steuerklärung genügt eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR). Auch eine Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer (IHK) müssen IT-Freiberufler nicht eingehen. Während aber der Status anderer Freiberufler im Einkommenssteuergesetz klar definiert ist, bewegen sich IT-Freiberufler in einer rechtlichen Grauzone.

Status Freiberufler: die Voraussetzungen

Das Einkommensteuergesetz kennt lange Liste mit Berufen, die freiberuflich ausgeübt werden. Ärzte, Apotheker, Journalisten, Rechtsanwälte, Ingenieure oder Hebammen üben bei selbstständiger Tätigkeit traditionell einen freien Beruf aus. Diese Liste ist nicht abschließend zu beurteilen, moderne Berufe können ebenfalls unter die freiberufliche Tätigkeit fallen. Allerdings unterliegt die Beurteilung, ob eine Tätigkeit freiberuflich oder gewerblich ist, allein dem Finanzamt. Und leider tun sich viele Finanzämter bei der Anerkennung von IT-Freiberuflern schwer. Auch die Logik hilft oftmals nicht weiter, denn während Journalisten für dem Gesetz Freiberufler sind, stufen Finanzämter Online-Journalisten regelmäßig als Gewerbetreibende ein. Produzenten von reinem Content haben es noch schwerer, eine Anerkennung zu erlagen. Ähnlich ergeht es auch Web-Designern. Während Grafiker als Freiberufler gelten, erhalten Web-Designer im Allgemeinen diese Einstufung nicht. Ebenfalls sehen die Finanzgerichte die Arbeit als EDV- oder IT-Berater nicht als freien Beruf an. Dafür hat der Bundesfinanzhof für Programmierer klare Richtlinien geschaffen. So wird die Tätigkeit eines Systemprogrammierers der eines Ingenieurs gleichgestellt und er ist ein IT-Freiberufler. Wird dagegen Anwendersoftware programmiert, ist von einer gewerblichen Tätigkeit auszugehen.

IT-Freiberufler: ja oder nein?

Ob eine selbstständige Tätigkeit gewerblich oder als IT-Freiberufler ausgeübt wird, entscheidet das Finanzamt. Nur wer von seinem Finanzamt offiziell als Freiberufler eingestuft wurde, muss als Selbstständiger in der IT-Branche keine Gewerbesteuer abführen. Diese Einstufung hat zwar steuerliche Vorteile, allerdings hafte IT-Freiberufler mit ihrem gesamten Privatvermögen. Daher denkt mancher IT-Freiberufler über die Gründung einer GmbH nach, um so die Haftung zu begrenzen. Dann wird allerdings auch bei einer Einstufung als IT-Freiberufler in Zukunft die Gewerbesteuer fällig. Denn für eine GmbH, auch wenn sie durch einen anerkannten Freiberufler gegründet wird, gelten diese Steuervergünstigungen nicht. Schließen sich mehrere Gründer zu einer GbR zusammen, müssen alle IT-Freiberufler sein, sonst unterliegt das Unternehmen der Gewerbesteuerpflicht.

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